MiG beim Knauserer

Michaela Brötz, Kopf, Herz und Hand der Knauserer-Plattform, hat sich die Mühe gemacht, die Unstruktur von Manufaktur in Gründung zu durchforsten und zu verstehen, um was es geht. Das Ergebnis ist im letzten Newsletter erschienen:

Projekt 2009: Manufaktur in Gründung (wenn aus DIY eine Zukunftsvision werden soll)

Das Jahr 2009 habe ich als Jahr der vergessenen Künste ausgerufen und mit eurer Hilfe einige handwerkliche Fähigkeiten vorgestellt und vielleicht dem einen oder anderen eine handwerkliche oder handarbeitliche Tätigkeit wieder schmackhaft gemacht. Mein Ziel war es, einfach aufzuzeigen, dass eine eigene Tätigkeit sehr fruchtbringend sein kann und eine wahre Alternative zum Kauf sein kann.

Reto geht nun einen Schritt weiter und versucht auf Basis der Idee des Selbstbauers eine Vision des zukünftigen Wirtschaftens zu finden. Zunächst für sich selber, aber der Werkzeugkasten den er auf der Seite Manufaktur in Gründung erstellt kann durchaus als Modell und "Bauanleitung" für zukünftige Manufakturen (in Gründung) dienen.

Seine Motivation ist eine Verhaltensänderung in Erzeugung und Konsum, die wie er glaubt über eine neue Form des Wirtschaftens auf Basis der Manufakturidee zu erreichen sein kann. Dass sich in Zukunft etwas ändern muss, wird wohl im Jahre 2009 keiner mehr bezweifeln. "Die auf uns zukommenden Umwälzungen können wir kreativ-aktiv angehen oder reaktiv-ängstlich. [...]

Diese Plattform (die Manufaktur in Gründung) möchte genau einen Beitrag zum ersten Anatz leisten. [...] Wir werden neue Formen der Zusammenarbeit finden, neue Formen des Wirtschaftens, neue Formen der Nutzung dessen, was uns die Ere als Lebensgrundlage immer wieder anbietet."

Ein Versuch eine so komplexe Idee zu entwickeln, bedarf intensiven Feedbacks und einer kreativen Zusammenarbeit, weshalb Reto die Seite Manufaktur in Gründung ins Leben gerufen hat. Der Ansatz ist schwer zu umreißen, weshalb ich für den Knauserer eine kurze Zusammenfassung der Ideen wagen möchte:

Manufaktur ist die "veredelte" Form des Selbermachens. Man stellt physische Produkte regional und mit kurzen Transportwegen her, vieles ist in einer wenn nicht eigener Hand. Im Zentrum des Herstellungsprozesses der Manufaktur steht der Mensch, der von Maschinen unterstützt wird. Der Mensch ist das Herzstück der Manufaktur (und nicht nur Produktionsmittel wie in heutigen Industrien), der Unternehmer wird wieder jemand der etwas unternimmt und nicht nur verwaltet.

Die Manufaktur versucht reale fundierte Bedürfnisse zu befriedigen und sucht nicht das endlose Wachstum über jegliche Grenzen hinweg.

Eine solche Struktur bietet Raum für aktives menschliches Schaffen und Tüfteln. Eine so verstandene Form der Erzeugung läßt natürlich auch Freiräume in Bezug auf Umgang mit geistigem Eigentum, Finanzierung oder Ansichten über Gewinn. Auch ein Überdenken des Verhältnisses des Erzeugers zum Konsumenten ist eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen einer neuen lokal und selbstkreativ arbeitenden Manufaktur.

Eine Manufaktur in diesem Sinne produziert auch nicht mit Gewinnabsicht sondern um - wie es Reto sehr schön ausdrückt - "Lebensgrundlagen zu schaffen".

Die Vision ist also ganz plakativ gesagt, dass man die benötigten Produkte wieder da produziert, wo sie konsumiert werden, wo die direkte Kommunikation zwischen Erzeuger und Verbraucher wieder stattfindet, auf Basis eines grundlegenden Wirtschaftens, das den ultimativen Gewinn nicht in der Bilanz sieht sondern dessen finanzieller Gewinn die Lebensgrundlage des Erzeugers bildet und dessen immatrieller Gewinn die Aufwertung des Erzeugers als kreativ-handwerklich Schaffender ist.

Reto geht sogar so weit, Manufakturen als postindustrielle Produktionsstätten zu bezeichnen.

Neben der harten Arbeit einer Hinwendung zur Manufaktur eine Terminologie und einen "philosophischen" Unterbau zu erarbeiten, hat die Initiative Manufaktur in Gründung noch einen praktischen Ansatz, den Reto den Werkzeugkasten genannt hat.

Dieser Werkzeugkasten soll alles bereitstellen, was es für die erfolgreiche Gründung eines kleinen Produktionsbetriebes braucht. Er soll Ant wort geben auf die Fragen, welche sich auftun, wenn jemand lokal produzieren möchte, aber verbunden in einer weltweiten Community.

  • Geschäftsmodelle für freie Güter (Open Source Produkte), wobei der aus der Software stammende Begriff der Open Source auf handwerkliche Produkte ausgedehnt wird = eine Idee an der andere weiterbasteln
  • Vorschlläge und Ideen für Produkte mittlerer und angepasster Technologie
  • Hilfestellung zum Aufbau sozialer Netzwerke
  • neue Konzepte für das Verhältnis zwischen Produzent und Konsument
All das liest sich noch recht sperrig und zeigt gleichzeitig, das Bemühen eines nimmermüden Projektleiters, den ich als Nachhaltigkeits-Blogger kennen und als Netzwerker und Ideengeber schätzen gelernt habe.

Damit sind die wesentlichen Aspekte sehr schön in anderen Worten gefasst. Ich freue mich sehr, dass Michaele sich die Mühe genommen hat, diesen Text zu verfassen, weil es hoffentlich weiter zum Verständnis der Idee beiträgt.

CC0 1.0 Universal
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