Nutzenschöpfung von Open Manufacturing
Ich wurde gebeten, die Wertschöpfungskette der neuen Produktionsweise, welche ich hier grob dargestellt habe, zu beschreiben. Wertschöpfungskette? Als Ingenieur, Handwerker und Kleinstbauer bin ich mit solchen Begriffen nicht allzusehr vertraut. In diesem Zusammenhang assoziiere ich "Wertschöpfung" mit "Geld", lieber aber möchte ich mich der "Nutzenschöpfung" auseinandersetzen, welche über das Geld hinausgeht.
Ein Nutzen kann Profit sein, aber ich möchte an den ursprünglichen Zweck des Wirtschaftens erinnern: die Befriedigung von Bedürfnissen. Und das Schaffen von Lebensgrundlagen. Und dies nicht zwangsläufig - oder besser gar nicht - nur auf Menschen bezogen.
Was also ist der Nutzen einer Wirtschaft, welche auf Open Manufacturing basiert? Welche Bedürfnisse kann sie erfüllen und welche Arten von Lebensgrundlagen werden geschaffen?
Viele Verlierer in der heutigen Wirtschaft
Unter anderem folgende Teilnehmer sind am gegenwärtigen Wirtschaftssystem beteiligt:
- Konsumenten: Diese sind abhängig von den Angeboten „des Marktes“. Sie können zwischen verschiedenen Produkten (soweit vorhanden) auswählen, haben jedoch in der Regel keinen Einfluss auf verwendete Materialien, Eigenschaften oder Produktionsbedingungen. Meist haben es Konsumenten mit unpersönlichen Zwischenhändlern zu tun. Geht das Produkt kaputt, so ist der Konsument meist gezwungen, die neueste Version nachzukaufen.
- Angestellte: Tun die Arbeit. Sie sind gezwungen, ihre Effizienz ständig zu steigern, sind aber dennoch ständig in der Gefahr, durch automatisierte Systeme, welche meist auf billiger Energie basieren, ersetzt zu werden. Meist sind sie hoch spezialisiert und tragen nur für einen kleinen Teil des gesamten Produktionsprozesses die Verantwortung. Ihre Einflussmöglichkeiten in hierarchischen Organisationen sind meist gering, ferner sind sie hochgradig vom Markt (Gehälter, Nachfrage ihrer Arbeitskraft) sowie Entscheidungen des Top-Managements abhängig.
- Besitzer/ Anteilseigner: Sind nur selten Entrepreneure, meist nur an kurzfristigen Gewinnen interessiert.
Es ist meine Überzeugung, dass wir post-billige-energie, nachhaltige und resiliente Modelle davon entwickeln müssen, wie wir physische Güter im und mit menschlichem Mass produzieren können. Wir können es uns nicht mehr leisten, zu ignorieren, dass wir
- die Primäre Wirtschaft (primary economy) übernutzen.
- Arbeitskräfte an einem Ende der Planetaren Arbeitsmaschine (PAM) rauswerfen, nur damit sie am anderen Ende als Konsumenten fehlen.
- immer abhängiger von multinationalen Konzernen werden, die sich unserer Kontrolle und der unserer Institutionen entziehen.
- immer weniger in der Lage sind, die Dinge unseres alltäglichen Lebens selbst oder auf lokaler Ebene herzustellen.
Nutzen von Open Manufacturing
An dieser Stelle kommt die industrielle Subsistenz basierend auf Freier Produktion ins Spiel. Das Diagramm zeigt grob die Protagonisten und ihre Beziehungen zueinander in dieser Form des Wirtschaftens.
- Nutzer: wählt unter den Angeboten lokaler Produzenten wie KMU oder Fab Labs. Entspricht ein Produkt nicht den eigenen Bedürfnissen, so könnte er Verbesserungen vorschlagen. Oder er findet ein passendes Offenes Design, das er von einem lokalen Manufakteur herstellen lässt. Mit diesem verkehrt er auf gleicher Augenhöhe.
- Selbstbauer: verwendet ein Offenes Design und stellt das Produkt entsprechend seinen eigenen Bedürfnisse her. Bezieht Halbprodukte von lokalen Produzenten (wie Bretter, Glasscheiben, Metallprofile, Bleche, Rohre, Schrauben, Nägel …). Kann diese in Offenen Werkstätten verarbeiten, kann Mitglied einer Entwicklergemeinschaften sein oder auch alleine als Tüftler arbeiten.
- KMU: Kleine Produktionsgemeinschaften, welche die (halb-) fertigen Produkte entsprechend der lokalen Erfordernisse produzieren. Sie können auch fab labs oder Offene Werkstätten nutzen, können in lockeren Verbünden mit anderen Manufakteuren Produkte herstellen und anbieten, welche sie nicht alleine hinbekommen würden (etwa Klempner und Tischler, die gemeinsam Solarkollektoren bauen).
- fab labs/ Offene Werkstätten: Offene Produktionsstätten, welche eine breite Palette an Produktionsmitteln zur Verfügung stellen. Diese können von Selbstbauern, KMU oder Produktionsgemeinschaften genutzt werden. Hier können auch Designer Dienstleistungen anbieten.
- Produktionsgemeinschaften: Lebens- und Wohn-Gemeinschaften mit einem produzierenden Zweig, die für die eigenen und die Bedürfnisse der Region produzieren. Diese könnten bestehende Designs fortentwickeln oder neue entwickeln. Zum Beispiel OSE.
- Tüftler: entwickelt eigenständig Lösungen für spezielle Probleme. Diese kann veröffentlichen und erhält dafür Wertschätzung und Reputation (anstatt zu versuchen, Geld über Patentierung zu verdienen, was sowieso meist nicht gelingt).
- Designer/ Ingenieur: Offenes Design für physische Güter wird frei wie FOSS. Das ist keine schlechte Nachricht für Designer, wenn man sich Software anschaut (eine Form des Designs virtueller Produkte). Nahezu kein Open Source Software-Entwickler verdient durch seine Beiträge direkt Geld, seine Motivation liegt im Nutzen im weitesten Sinn. Zudem entstehen immer mehr gemeinschafts-basierte Projekte (z.B. Kickstarter und vergleichbare Plattformen).
- Entwickler-/Tüftler-Gemeinschaften: zum Beispiel dasWindrad.de (siehe auch Carl von Canstein im Interview hier).
Zurück zu unserer Eingangsfrage: wo also liegt der Nutzen für wen in diesem Modell?
- Prosument: weniger Abhängigkeiten aufgrund des offenen und frei zugänglichen Produktdesigns:
- kann das Produkt wählen, welches seine Bedürfnissen am Besten erfüllt. Er kann dieses aber auch weiterentwickeln oder anpassen (lassen).
- kann den Manufakteur auch entsprechend seiner Vorstellungen bezüglich der Herstellungsbedingungen, des Materials usw. auswählen.
- Manufakteur:
- Jeder Betrieb kann jedes Produkt herstellen. Er ist nicht auf eigene Entwicklungen beschränkt, sondern hat Zugang zu weltweit verfügbaren Offenen Designs
- Kann jedes in seiner Region benötigte Produkt anbieten, in loser Kopplung mit anderen Betrieben.
- Kostspielige und nutzlose Patentierungen können vermieden werden.
- Ist nicht auf kostspieliges und nutzloses Marketing angewiesen (die Nachfrage entsteht durch die Bedürfnisse der Prosumenten).
- Ist auf Kooperation statt Wettbewerb ausgerichtet.
- Entwickler/ Designer: Vergleichbar der Entwicklung von Software als virtuelles Produkt würde die Entwicklung physischer Produkte ähnlichen Nutzen bringen:
- Erfahrungen und Expertise (welche weiter zu seinem Lebensunterhalt beiträgt).
- Reputation und Wertschätzung.
- Kann kreativ tätig sein.
- Die Entwicklung bzw. Verbesserung von Produkten, welche er/ sie für sich selber benötigt.
Natürlich ist dies ein sehr grobes Modell zukünftiger Manufakturen. Allerdings lassen sich bereits heute Bewegungen in diese Richtung beobachten: Open Design Projekte und Verzeichnisse, Maker-Szenen, fab labs, hacker spaces. Mehr zum Thema Offenes Design und Offene Manufakturen findet sich im Wiki der P2P Foundation (Kategorie Design, Manufacturing).
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Ich bin Bildungsspezialist und arbeite seit über 10 Jahren auf www.userlearn.ch mit dem Ziel eine nachhaltige, faire Infornatik Ausbildung in den Schulen zu erreichen.
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Heute haben wir aber die Situation, dass an den Schulen die Technokraten bestimmen wo es lang geht, zusammen mit den Lobbisten, die Grossfimen wunderbare Geschäfte in den Gemeinden ermöglichen.
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Kleinunternehmer und Eltern zahlen zwar Steuern, haben aber immer weniger zu sagen!
Jürg Krämer userhelp/userlearn.ch
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