Wie wollen wir leben?

LOHAS? LOVOS? Resiliente Gemeinschaft? Grün? Nachhaltig? Knauserig? Egal, wie man einen post-konsumistischen und -fossilen Lebensstil etikettiert, es gibt einen gemeinsamen Nenner, auf den wir uns einigen können. Die grobe Richtung wird nebst der Einsicht, dass wir uns mit den gegenwärtigen Gepflogenheiten von Wirtschaft und Gesellschaft in einer Sackgasse befinden, auch durch die "normative Kraft des Faktischen" vorgegeben werden (wie Sisyphos hier anmerkt). Was nichts anderes bedeutet, dass uns die Umstände Verhaltens-Änderungen aufzwingen werden.

Welches sind diese Einsichten, die uns ob der Zustände in der Welt langsam dämmern?

  1. Wir leben auf einem endlichen Planeten. Weder Rohstoffe noch Energie sind unbegrenzt (zumindest so dass wir sie nutzen können) unbegrenzt verfügbar. Wir werden lernen, sorgsam mit unseren Anteil daran (wie sich dieser auch immer misst) umzugehen.
  2. Das Ende des Zeitalters der Energiesklaven ist erahnbar. Das Fördermaximum der fossilen Brennstoffen ist mit einer Unschärfe von plusminus 10 Jahren erreicht. In absehbarer Zeit wird Erdöl sowohl als Energieträger wie auch als Ausgangsstoff für viele Erzeugnisse knapper und damit teurer werden. Jetzt ist der Zeitpunkt, um Alternativen zu entwicklen und uns von der Abhängigkeit des schwarzen Goldes zu lösen.
  3. Wie hoch der Anteil am steigenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre durch menschliche Aktivitäten auch immer sein mag, Fakt bleibt, das sich erstens das Klima ändert (was es immer getan hat), was unausweichlich Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft haben wird. Und zweitens setzt das Verbrennen von fossilen Rohstoffen flüchtige Stoffe frei, welche vorher gebunden waren. Was ebenso klar die Zusammensetzungen unserer Atmosphäre verändert und aus dem (vermeintlichen) Gleichgewicht bringt. Je geringer wir den Ausstoss halten, desto kleiner ist das Risiko, dass diese Änderungen so schnell passieren, dass uns eines Tages plötzlich "der Himmel auf den Kopf fällt" (um die Bewohner eines kleinen, unbeugsamen Dorfes in Nordfrankreich zu zitieren).
  4. Erneuerbare Energiequellen werden die wegfallenden fossilen nicht ersetzen können. Kernkraft kann die Lücke höchstens kurzfristig füllen, weil auch das Uran knapp wird und uns beim heutigen Verbrauch nur eine Generation später als das Erdöl ausgehen wird. Nebst der nicht akzeptierbaren Schweinerei, die wir mit dem Abfall anrichten. Der Weg in die Zukunft ist die Deckung unseres Energiebedarfes aus erneuerbaren Quellen. Aber auf einem massiv tieferen Niveau als heute.

Die auf uns zukommenden Umwälzungen können wir kreativ-aktiv angehen oder reaktiv-ängstlich. Je nach Ansatz werden wir als Gesellschaft widerstandsfähiger (resilient) oder wir reizen das Blatt aus, bis das Kartenhaus zusammenfällt. Was keinen Spass machen wird. Im Gegensatz zur ersten Option.

Diese Plattform möchte genau einen Beitrag zum ersten Ansatz leisten. Es geht darum, Inventur zu machen, zu sehen, was die Möglichkeiten sind und diese dann anzupacken. Ich bin überzeugt, dass uns die auf uns zukommenden Herausforderungen beflügeln werden. Wir werden neue Formen der Zusammenarbeit finden, neue Formen des Wirtschaftens, neue Formen der Nutzung dessen, was uns die Erde als Lebensgrundlage immer wieder (und noch) anbietet. Auf eine Weise, die den menschlichen Impakt verträglich für das Ökosystem des Planeten macht.

Nicht nur, damit wir uns den Ast nicht absägen, auf welchem wir sitzen, sondern auch, um den einzigen zu erhalten, welchen wir haben.

[Nachtrag] Passend zum Thema: die Transition-Unabhängigkeitserklärung.

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