Eine Welt quelloffener Güter

Stellen wir uns vor, wir sässen in zehn Jahren in der Küche beim Frühstück. Unser Blick fällt auf den Toaster, mit welchem wir gerade unser Brot geröstet haben. Wobei uns eigentlich zuerst weniger das Gerät als vielmehr die Krümel auffallen, welche einen Asteroidengürtel mittlerer Dichte bilden. Ein liegender, versteht sich. Ein Gürtel, der nervt.

Wir denken zum wiederholten Male, dass eine eigentlich offensichtliche, kleine Änderung Abhilfe schaffen würde. Da wir heute gerade in initiativer Stimmung sind, setzen wir uns ans Netz und gucken uns die Pläne des Gerätes an. Heutzutage gibt es für praktisch alle Güter, welche früher streng behütet und monopolisiert von Konzernen in Massen hergestellt wurden, Open Source Alternativen. Eine ähnliche Situation wie vor 10, 15 Jahren im Bereich Software.

"Liebesfrühstück" von Florianefrosch

"Liebesfrühstück" von Florianefrosch / piqs.de

Wir zeichnen die Änderung ein und schicken die Pläne unserer Manufaktur des Vertrauens im Nachbardorf. Wir wissen zwar, dass dort nicht alle Teile hergestellt werden können, aber das der Betrieb Teil ein Produktions-Clusters ist und sich Fehlendes problemlos beschaffen kann.

Die geänderten Pläne laden wir mit einer Beschreibung der Verbesserung wieder hoch. Ein paar Tage später trifft nicht nur der neue Toaster ein, sondern auch eine Dankes-E-Mail der Entwickler-Gemeinschaft des Gerätes, welche die Verbesserung ins aktuelle Design übernommen hat.

Und wir erinnern uns wieder einmal zurück an die Vor-Prosumenten-Ära, als psychopathischen Konzerne nach irgendwelchen Vorstellungen - meistens nicht unseren entsprechend - entworfene Produkte massenhaft auf den Markt geworfen haben. Kommunikation hat nur in eine Richtung stattgefunden: durch invasive, scheinbedürfnis-erzeugende Werbung. Heute hat das Massenverkaufs-Paradigma an Wichtigkeit verloren, das Dreieck Benutzer-Entwickler-Hersteller hat kleine Kantenlängen. Im Zentrum steht der Mensch mit seinem Bedürfnissen, die Mittel, welche angewandt werden, um sie zu befriedigen, sind - freiwillig oder unfreiwillig - nachhaltig geworden.

Den alten Toaster könnten wir übrigens unserem Manufakteur zurückschicken, aber wir lassen uns den Spass nicht nehmen, das Gerät in seine Module zu zerlegen, die biologisch abbaubaren Teile auf den Kompost zu werfen und den Rest dem technischen Recycling zu überlassen, welches jedes Modul seiner bereits beim Design geplanten Weiterverwendung zuführt.

[Update]

26.03.2010: Lustig ... Thomas Thwaites hat genau das versucht: einen Toaster selber zu bauen. Und zwar komplett.

CC0 1.0 Universal
To the extent possible under law, all copyright and related or neighboring rights to this Work, Manufaktur in Gründung, have been waived, although certain works referenced herein may be separately licensed.